Identität: Unbekannt

Meine Kirche, mein Glaube 4 (Serie)

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Hintergrund des Artikels

Was ist das Fundament, auf dem wir als Kirche stehen? Und was bedeutet das für unser Miteinander und unser alltägliches Leben? Dem gehen wir in einer neunteiligen Artikelserie auf die Spur. Die Artikel basieren auf den Predigten aus der aktuellen Predigtreihe «Mini Chile, min Glaube» («Meine Kirche, mein Glaube») der Evangelischen Kirchgemeinde Tägerwilen-Gottlieben, wo ein Vorstandsmitglied des Netzwerks Bibel und Bekenntnis Schweiz, Philipp Widler, als Pfarrer tätig ist.

Im Rahmen eines Strategieprozesses machte sich die dortige Kirchenvorsteherschaft auch Gedanken über ihre Glaubensgrundlagen. Anfangs 2023 verabschiedete sie ein entsprechendes Dokument, in dem sie die Glaubensgrundlagen der Kirchgemeinde festhält. Das Dokument ist auf der Homepage der Kirchgemeinde unter folgendem Link abrufbar: https://www.evang-taegerwilen.ch/dok/362

Der folgende Artikel basiert auf der vierten Predigt der Reihe von Pfr. Philipp Widler im Gottesdienst vom 18. Februar 2024 in der Evangelischen Kirchgemeinde Tägerwilen-Gottlieben.


Einleitung

Nach dem Gottesdienst unterhalten sich zwei Gottesdienstbesucher. «Du, was hat der Pfarrer heute nochmals über die Dreieinigkeit gesagt?», fragt der eine. «Nichts,» antwortet der andere. Da meint der erste: «Das ist mir schon klar. Aber wollte wissen, wie er es formuliert hat.»

«Identität: Unbekannt» lautet das Thema dieses Artikels. Es geht um die Frage: Wer ist eigentlich dieser Gott, an den wir glauben? Was ist seine Identität? Können wir diese Identität kennen? Oder ist sie – wie der Titel andeutet – unbekannt? Ich hoffe, dass es dir nach der Lektüre dieses Artikels nicht wie den eben beschriebenen Gottesdienstbesuchern geht.

In dieser Artikelreihe orientieren wir uns an den Glaubensgrundlagen der Evangelischen Kirchgemeinde Tägerwilen-Gottlieben. Unter «Gottes Wirken» lesen wir:

«Wir glauben an den dreieinigen Gott: den allmächtigen Vater und Schöpfer, den Sohn Gottes Jesus Christus und den Heiligen Geist.»

Damit ist alles klar, oder? Naja, so einfach ist es eben leider nicht. Sehr oft beobachte ich, wie wir Christen beim Thema Dreieinigkeit in Deckung gehen. Das geht mir selbst manchmal so. Wir reden viel zu theologisch, viel zu kompliziert, viel zu theoretisch. Doch gehört gerade dieses Thema zur Grund-DNA von uns Christen. Entsprechend deckt sich obige Aussage mit den Formulierungen, die wir in den gängigen christlichen Bekenntnissen lesen.

1. Ein konkreter Gott

Warum haben die Christen in all den Jahrhunderten immer wieder auf diesen Formeln mit einem dreieinigen Gott gepocht? Was bedeutet «der allmächtige Vater und Schöpfer, der Sohn Gottes Jesus Christus und der Heilige Geist»konkret für unseren Glauben?

Es bedeutet zuerst einmal, dass unser Gott ein konkreter Gott ist. Gott ist eine Person. So zeigt er sich von allem Anfang an. Im zweiten Buch der Bibel in 2. Mose 3,14 sagt er zu Mose: «Ich bin, der ich bin! Darum sag den Israeliten: ›Ich bin‹ hat mich zu euch gesandt.» Gott ist ein «ich bin». Was hier übersetzt wird mit «Ich bin», hat eine doppelte Bedeutung. Der hebräische Ausdruck «ich bin» ist zugleich ein Name: Jahwe. Überall, wo wir im Alten Testament das grossgeschriebene «der HERR» sehen, steht «Jahwe». Da steht dieser Name Gottes. Gott hat einen Namen und mit diesem stellt er sich vor.

Das ist der Grundcharakter Gottes durch die ganze Bibel hindurch: Gott zeigt sich. Er offenbart sich und gerade darin zeigt sich etwas von seiner Göttlichkeit. Denn als kleine Menschen haben wir von uns aus keinen Zugang zu diesem allmächtigen, völlig über uns stehenden Wesen. Wir haben keine Chance, ihn zu erfassen. Doch die Botschaft des Christentums lautet: Gott ist ein Gott, der zu den Menschen kommt, der sich zeigt, der sich sichtbar und erlebbar macht.

Das ist schon die Grundbotschaft des ganzen Alten Testaments und dann erst recht des Neuen Testaments. Gott kommt zu uns Menschen, indem er selbst Mensch wird in Jesus. Ja, zwischen uns und Gott besteht eine Kluft, die wir Menschen nicht überwinden können. Aber Gott selbst ist es, der die Kluft überwindet und uns Menschen in die Gemeinschaft mit ihm einlädt.

Das ist möglich, weil Gott ein lebendiger und konkreter Gott ist. Gott ist kein Prinzip, keine unpersönliche Kraft oder Energie. Er ist auch nicht einfach ein «höheres Wesen». Gott zeigt sich als ein Gegenüber. Darum darf ich die Hoffnung haben, dass ich gehört werde, wenn ich mit ihm rede. Darum darf ich Antworten erwarten. Darum ist eine Beziehung zu diesem Gott möglich.

Zu einem Prinzip oder einer Kraft kann ich keine Beziehung pflegen. Das wäre, wie wenn ich versuchen würde, eine Beziehung zum Wind aufzubauen. Das geht nicht. Aber wenn hinter dem Wind jemand steckt, der mich anbläst, dann kann ich zu dieser Person eine Beziehung suchen. Darum ist entscheidend, dass Gott nicht nur eine unpersönliche Kraft ist, sondern eben eine Person.

Wenn Gott eine Person ist, dann ist er auch nicht beliebig, sondern eben konkret. Das macht Gott selbst immer wieder deutlich, z.B. in Psalm 18,32: «Der HERR [Jahwe] ist Gott, und niemand sonst! Wer außer ihm ist so stark und unerschütterlich wie ein Fels?» Heute wird gerne gesagt, dass man gar nicht so genau wissen kann, wer Gott ist. Oder dass der christliche Gott doch der Gleiche sei, wie der Gott anderer Religionen. Aber wenn Gott sich in der Bibel vorstellt, ist er entweder genau dieser spezifische Gott, oder alles, was er sagt, ist nicht vertrauenswürdig und wir wissen tatsächlich nichts Konkretes über Gott.

Vertrauen wir aber darauf, wie Gott sich in der Bibel vorstellt, dann kann er nicht zugleich auch ein anderer Gott sein. Entsprechend ist der biblische Gott nicht austauschbar mit Allah oder Shiva. Stell dir vor, du hast einen Freund, der Andreas heisst. Und nun kommt jemand und sagt: «Hey, ich kenne auch so jemanden, die heisst aber Sandra.» Dann kommt noch jemand und sagt: «Ja, ja, so ein Wesen kenne ich auch.» Mooooment! Da reden wir doch nicht von der gleichen Person!

Doch bei Gott haben viele kein Problem mit genau dieser Vorgehensweise. Gott ist irgendein Wesen mit unterschiedlichen Gesichtern. Das widerspricht aber grundlegend dem Gott, der uns in der Bibel begegnet. Der christliche Gott ist ein konkreter Gott: Der eine Gott, der Himmel und Erde gemacht hat, ist der Gott, der sich Mose als Jahwe vorgestellt hat, der in Jesus Mensch geworden, gestorben und auferstanden ist und der mit seinem Heiligen Geist bei uns Menschen wirkt. Er ist nicht unbekannt oder beliebig. Er ist ein echtes Gegenüber. Eine konkrete Person.

2. Dem dreieinigen Gott auf der Spur

Eigentlich ist er ja drei Personen. Damit landen wir bei der Thematik «Dreieinigkeit». Zu diesem konkreten Gott des Christentums gehört dazu, dass der eine Gott aus drei Personen besteht. Dieses Thema hat viel Streit in der Geschichte der Christenheit ausgelöst, weil es schlicht und ergreifend unsere kleinen Menschenhirne sprengt. Kein Wunder umschiffen wir das Thema gerne. Aber aller Streit kommt auch daher, dass es kein Nebenthema ist. Die Dreieinigkeit ist zentral und wenn diese Überzeugung kippt, geraten sofort auch viele andere christlichen Grundüberzeugungen in Schieflage.

Es hilft nicht, dass «Dreieinigkeit» kein biblischer Begriff ist. Dieses Wort kommt in der Bibel tatsächlich nirgends vor. Aber es fasst gut zusammen, was wir mehr als genügend beobachten können: Die Bibel spricht von einem Gott, der sich uns in drei Personen offenbart, in Gott Vater, im Sohn Jesus Christus und im Heiligen Geist. Sie sind drei klar voneinander unterschiedene Personen, die aber doch eins sind.

Hinweise darauf finden wir in der Bibel schon von allem Anfang an. So heisst es schon im ersten Kapitel der Bibel in 1. Mose 1,26: «Dann sagte Gott: ‹Jetzt wollen wir den Menschen machen, unser Ebenbild, das uns ähnlich ist. Er soll über die ganze Erde verfügen: über die Tiere im Meer, am Himmel und auf der Erde.›» Gott redet hier von sich in der Mehrzahl und sagt «Jetzt wollen wir». Auch im restlichen Alten Testament finden sich immer wieder Hinweise. Wirklich deutlich offenbart sich Gott als der Dreieinige dann im Neuen Testament. Wir sehen das beispielsweise bei der Taufe Jesu: «Gleich nach der Taufe stieg Jesus wieder aus dem Wasser. In diesem Augenblick öffnete sich der Himmel über ihm, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube herabkommen und sich auf ihm niederlassen. Gleichzeitig sprach eine Stimme vom Himmel: ‹Dies ist mein geliebter Sohn, über den ich mich von Herzen freue.›» (Matthäus 3,16-17)Alle drei Personen sind hier aktiv und klar voneinander unterschieden.

Diese Einheit und gleichzeitige Unterscheidung macht Jesus auch deutlich in Johannes 17,21-22, wo er sagt: «Sie alle sollen eins sein, genauso wie du, Vater, mit mir eins bist. So wie du in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns fest miteinander verbunden sein. Dann wird die Welt glauben, dass du mich gesandt hast. Deshalb habe ich ihnen auch die Herrlichkeit gegeben, die du mir anvertraut hast, damit sie die gleiche enge Gemeinschaft haben wie wir.» Zwei klar unterschiedene Personen und doch eins. Ähnliches sagt Jesus in Johannes 14,8-17, bezieht dort aber auch den Heiligen Geist mit ein, den er und der Vater zu uns Menschen senden.

Spannend ist auch der Missionsauftrag, den Jesus seinen Jüngern nach seiner Auferstehung gibt. Er sagt: «Deshalb geht hinaus in die ganze Welt und ruft alle Menschen dazu auf, meine Jünger zu werden! Tauft sie auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes!» (Matthäus 28,19) In diesem Vers sind alle Personen der Dreieinigkeit ausdrücklich erwähnt. Gleichzeitig sagt Jesus nicht «Tauft sie auf die Namen», sondern spricht in der Einzahl «tauft sie auf den (einen) Namen». Drei Personen, ein Gott. Entsprechend lautet die klassische neutestamentliche Segensformel aus 2. Korinther 13,13: «Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft, die der Heilige Geist schenkt, sei mit euch.»

Doch bei allen klaren Beobachtungen bleibt es dabei, dass unser menschlicher Intellekt daran scheitert, dies wirklich zu begreifen. Wir können uns dem Verständnis mit Vergleichen annähern. Meine liebste Annäherung ist der Vergleich mit einem Dreifachstecker: Stelle dir vor, dass die drei Eingänge unterschiedliche Länderstecker wären. Ich finde das ein hilfreiches Bild für die Einheit und Gleichwertigkeit bei gleichzeitiger Unterschiedlichkeit. Aber auch dieser Vergleich ist nur eine entfernte Annäherung. Unterschiedliche Personen sind dann doch nochmals was anderes als unterschiedliche Steckdosen.

Das zeigt uns die Grenzen solcher Vergleiche. Sie sind höchstens Annäherungen. Im schlechteren Fall sind sie sogar Anlass für krasse Fehlinterpretationen. Solche hat es in der Geschichte der Christenheit haufenweise gegeben. Eine der bekanntesten ist der «Modalismus», der davon ausgeht, dass der eine Gott einfach in verschiedenen Formen auftaucht. Aber das tut er eben nicht: Vater, Sohn und Geist sind unterschiedliche Personen. Dann gibt es den «Adoptianismus», der von einem Gott ausgeht, der den Menschen Jesus in die Welt gesendet hat und diesen Menschen wegen seiner Opferbereitschaft dann quasi adoptiert und sich zu eigen gemacht hat. Aber auch das entspricht nicht dem, was die Bibel sagt, nämlich dass Jesus voll und ganz Gott war, der Mensch wurde.

Über diese Fehlinterpretationen diskutierten die Christen nicht nur in den ersten Jahrhunderten. Diese Vorstellungen kommen immer wieder auf. Aktuell ist es wieder en vogue, dass Theologen den Menschen erzählen, Jesus sei nur ein Mensch gewesen, der von Gott wegen seiner Opferbereitschaft besondere Ehre erhalten hat. Aber das entspricht nicht dem Christentum. Diese Erklärungen sind verlockend, weil sie die Dreieinigkeit begreiflicher machen. Es ist einfacher, sich vorzustellen, dass Jesus nur ein von Gott erhöhter Mensch gewesen ist, als die Vorstellung, dass er wirklich Gott ist, der voll und ganz Mensch wird und trotzdem Gott bleibt. Aber nur weil das eine einfacher begreiflich ist, bedeutet es nicht, dass es richtig ist.

Im Gegenteil bleibt die Dreieinigkeit etwas, was wir nicht ganz fassen können. Und das ist gut so. Wir reden von Gott. Muss es mich da wundern, dass ich kleines Menschlein nicht alles verstehe, wie dieser Gott funktioniert? Das bedeutet ja nicht, dass wir nichts begreifen und wahrnehmen können. Genau deswegen hat im 2. Jahrhundert der Theologe Tertullian den Begriff «Dreieinigkeit» eingeführt. Die Christen begriffen: Da sind drei Personen, die den einen Gott ausmachen und haben das in ein Wort gefasst.

Später sind weitere Präzisierungen dazugekommen. Im Jahr 451 trafen sich führende Köpfe der Christenheit im damaligen Chalcedon, das heute in Istanbul liegt. Sie präzisierten dabei, wie Jesus als Person in der Dreieinigkeit zu verstehen ist:

«Ein und derselbe ist Christus, der einziggeborene Sohn und Herr, der in zwei Naturen unvermischt, unveränderlich, ungetrennt und unteilbar erkannt wird, wobei nirgends wegen der Einung der Unterschied der Naturen aufgehoben ist, vielmehr die Eigentümlichkeit jeder der beiden Naturen gewahrt bleibt und sich in einer Person und einer Hypostase vereinigt.»

Uff, was für ein Text. Ohne auf jedes Detail einzugehen, möchte ich die vier Stichworte herausheben, mit denen das Göttliche und das Menschliche in Jesus beschrieben wird: unvermischt, unveränderlich, ungetrennt und unteilbar. Diese Stichworte zeigen: Es ist manchmal einfacher zu sagen, wie Gott nicht funktioniert, als genau zu sagen, wie er funktioniert.

Ja, so ist es mit der Dreieinigkeit auch: Ich kann nicht genau sagen, wie das funktioniert, dass drei Personen doch der eine Gott sind. Aber die Bibel macht deutlich, dass Vater, Sohn und Heiliger Geist nicht einfach unterschiedliche Masken für ein und dieselbe Gottesperson sind. Oder dass Jesus nicht nur ein von Gott adoptierter Untergott ist. Nein, Gott hat sich uns als der dreieinige Gott gezeigt. Auch wenn ich nicht alles verstehe, will ich Gott ernst nehmen, dass er genau so ist: Der dreieinige Gott, ein Gott in drei Personen.

3. Den dreieinigen Gott erleben

Bei all dieser Theorie könnte man meinen, dass dieses Thema nur ein Kampffeld für streitlustige Theologen und andere Theoretiker ist. Tatsächlich hat die Dreieinigkeit konkrete und fundamentale Auswirkungen auf unseren Glauben. Beispielsweise entscheidet sich daran die Frage, ob Jesus wirklich Gott gewesen ist. Daran hängt, ob er wirklich die Macht hatte, durch seinen Tod und seine Auferstehung für die Vergebung aller meiner Schuld und für die Versöhnung mit Gott zu sorgen. Wenn Jesus nicht Gott ist, dann war er ein nettes Vorbild, ja. Aber wohin soll ich dann mit meiner Schuld und meinem Versagen hin, wenn ich nicht durch Jesus Zugang zur Gnade Gottes habe?

Die Dreieinigkeit zeigt uns aber auch das Wesen Gottes. Vater, Sohn und Heiliger Geist agieren in engster Beziehung miteinander. Das bedeutet: Gott ist von seinem Wesen her Beziehung und Liebe. Er braucht mich Menschen nicht, damit er ein Gegenüber hat. Er ist sich selbst ein Gegenüber. Wenn Gott mich also einlädt, in eine Beziehung mit ihm zu treten, dann will er mich damit in ein funktionierendes Beziehungsgeschehen mithineinnehmen. Die Dreieinigkeit macht deutlich, dass der christliche Gott ein Beziehungsgott ist.

Ist mir das bewusst? Ist Gott für mich eine schöne Theorie? Ist Gott für mich einfach ein statisches Wissen? Oder ist er eine Person, ein Gegenüber, mit dem ich Beziehung haben darf? Ich finde es im Alltag oft herausfordernd, wirklich mit diesem Gott unterwegs zu sein, mit dieser Person, die mit mir sein will, die mir zuhören will, die aber auch zu mir reden will. Das setzt voraus, dass ich mit ihm rede und mir auch Zeit nehme, ihm einfach zuzuhören. Das geht bei mir im hektischen Alltag immer wieder unter. Dabei ist eben nur in dieser Beziehung fassbar: Er ist kein Wissen oder Status, sondern ein Gott der Beziehung. Wie pflegst du die Beziehung zum dreieinigen Gott?

Bei dieser Frage kommt der dreieinige Gott selbst zum Einsatz: Er ist nicht nur der allmächtige Vater und Schöpfer und er ist nicht nur der gestorbene und auferstandene Sohn Jesus, der vor 2000 Jahren als Mensch auf der Erde war. Gott ist auch der Heilige Geist. In Johannes 14,16 sagt Jesus über ihn: «Dann werde ich den Vater bitten, dass er euch an meiner Stelle einen anderen Helfer gibt, der für immer bei euch bleibt.»

Wer sich Jesus anvertraut und an ihn glaubt, wird mit dem Heiligen Geist erfüllt. Er ist keine unpersönliche Kraft, kein bisschen God-Power, keine göttliche Inspiration. Die Person des Heiligen Geistes ist bei mir als Jesusnachfolger. Das heisst: Gott ist bei mir. Er begleitet mich. Er führt mich. Er ist mein Ratgeber und Helfer. Wow. Was für eine Zusage! Ich darf vertrauen, dass dieser konkrete Gott ganz konkret den Lebensweg mit mir geht.

Glaubst du das? Ist dein Herz offen für das Reden und Wirken des dreieinigen Gottes durch den Heiligen Geist? Mir wurde beim Schreiben dieser Zeilen nochmals neu bewusst, was für ein unglaubliches Privileg und was für eine Zusage das ist, dass ich mit dieser Kraft des Heiligen Geistes unterwegs sein darf!

Schluss

«Wir glauben an den dreieinigen Gott: den allmächtigen Vater und Schöpfer, den Sohn Gottes Jesus Christus und den Heiligen Geist.»

So steht es in den Glaubensgrundlagen der Evangelischen Kirchgemeinde Tägerwilen-Gottlieben. Das ist nicht einfach eine schöne liturgische Formel. Es beschreibt den konkreten, den dreieinigen Gott, dem wir als Christen nachfolgen, der mit uns Beziehung haben will und der uns begleitet.

Im 2. Korintherbrief beschreibt Paulus das Wirken dieses dreieinigen Gottes mit folgenden Worten: «Gott selbst hat unser und euer Leben auf ein festes Fundament gestellt, auf Christus, und uns mit seinem Geist erfüllt. So drückte er uns sein Siegel auf, wir sind sein Eigentum geworden. Das Geschenk des Geistes in unseren Herzen ist Gottes sicheres Pfand für das, was er uns noch schenken wird.» (2. Korinther 1,21-22)

Der christliche Gott ist der dreieinige Gott. Sonst handelt es sich nicht um den christlichen Gott. Ist dein Gott der dreieinige Gott?

Zum Autor

Philipp Widler führt gemeinsam mit seiner Frau das Pfarramt der Evangelischen Kirchgemeinde Tägerwilen-Gottlieben. Sie wohnen in Tägerwilen und haben drei Kinder. Philipp Widler ist darüber hinaus Vorstandsmitglied im Netzwerk Bibel und Bekenntnis Schweiz.


Bibelzitate: Hoffnung für Alle® (Hope for All) © 2015 by Biblica, Inc.®
Zu Tertullian vgl. https://www.katholisch.de/lexikon/1439-trinitaet
Zum Konzil von Chalcedon vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Konzil_von_Chalcedon